Kältewinter trotz Klimawandel?

Eine Herausforderung für die Winterdienste

Freiburg sperrt seine Innenstadt wegen Eisglätte, der Flughafen München muss mehr als 130 Flüge streichen, weil die Start- und Landebahnen nicht schnell genug geräumt werden können, Wetterexperten sprechen vom kältesten Dezember seit zwölf Jahren. Diese Schlagzeilen zeigen, dass es trotz Klimawandels zu winterlichen Straßenverhältnissen kommen kann. Aber wie passt das zusammen?

„Das Winterwetter verändert sich“, erklärt Diplom-Meteorologe Friedrich Föst von der Wettermanufaktur in Berlin, einem privaten Wetterdienst, „wir haben in Deutschland eine abnehmende Anzahl von Frost-, Schnee- und Eistagen. Aber gleichzeitig ist auch zu beobachten, dass wir häufiger Starkniederschläge im Winter haben.“

Und aus diesem Starkregen kann schnell Schnee werden, wenn die entsprechenden Witterungsverhältnisse gegeben sind. Die Folge sind plötzlich auftretende Starkschneefälle, die für Chaos auf den Straßen sorgen und die Winterdienst-Organisationen vor große Herausforderungen stellen. Friedrich Föst hat dafür auch eine Erklärung. „Normalerweise ist es bei uns in Mitteleuropa so, dass die Tiefdruckgebiete in höchster Regelmäßigkeit von West nach Ost durchziehen und damit mildes Atlantikwetter bringen.“ Die Folgen kennt jeder: Graues Winterwetter, Temperaturen um 5°C und Nieselregen.

Dauerhaft kalte Straßen können sich dann schnell in gefährliche Eisbahnen verwandeln. Eine Studie der technischen Universität Berlin hat belegt, dass die meisten Verkehrsunfälle eben nicht bei Schnee auftreten, sondern 78% der Unfälle bei gefrierender Nässe passieren. Oft ist für die Auto- und Radfahrer gar nicht sofort ersichtlich, ob die Straße nur nass oder schon gefroren ist.

Die Winterdienste begegnen der gefährlichen Glätte mit der präventiven Ausbringung von Sole, also Tausalz, das mit Wasser vermischt wird. Diese Sole bleibt länger auf der Fahrbahn haften und sorgt dafür, dass gefrierende Nässe erst gar nicht entsteht. Dies sorgt zusammen mit dem Feuchtsalz-Einsatz bei tiefen Temperaturen für ein hohes Maß an Verkehrssicherheit. Für die kommenden Wochen hat Meteorologe Friedrich Föst eine winterliche Prognose. „Es könnte in diesem Winter häufiger als in den letzten Jahren der Fall sein, dass wir einen Zustrom kalter Luft aus Osteuropa haben werden. Ich sehe insgesamt einen kälteren Winter als in den letzten Jahren. Das sind Herausforderungen, wo wir einen gutaufgestellten und fitten Winterdienst brauchen.“