Girl’s Day: Wenn der Arbeitsplatz tief unter der Erde liegt

Mittlerweile hat sich Lena Wiesner an die erstaunten Blicke gewöhnt, wenn sie Fremden davon erzählt, welchen Beruf sie lernt. „Wenn ich anderen erkläre, dass ich Bergfrau werde, dann gibt es ganz oft ungläubiges Kopfschütteln“, sagt die 19-jährige und hat auch eine Erklärung dafür. „Ich glaube, dass viele Menschen vergessen haben, dass wir in Deutschland noch aktive Bergwerke betreiben. Das ist mit dem Ende des Kohlebergbaus im Ruhrgebiet irgendwie untergegangen.“ Dazu kommt, dass Bergfrau, offiziell Bergbautechnologin, auch heute noch kein selbstverständlicher Beruf ist. Das weiß auch Christina Daske, Mitglied des Vorstands bei K+S und Arbeitsdirektorin. „Ich finde es zur Einordnung immer wichtig zu betonen, dass der Beruf der Bergbautechnologin erst seit dem Jahr 2009 überhaupt erlaubt ist. Wir gehen in Schulen und Universitäten und zeigen, dass es uns gibt, dass es diese spannenden Berufe gibt und dass sie auch für Frauen interessant sind.“

14 aktive Kali- und Salzbergwerke gibt es in Deutschland.

Allein die K+S Gruppe hat knapp 11.000 Mitarbeiter und immer bis zu 600 Auszubildende. „Wir haben 16 Ausbildungsberufe an zehn Standorten. Wir bieten die ganz klassische Ausbildung sowie duales Studium, als auch Umschulungen an. Garniert wird das Ganze noch mit dem Trainee-Programm als Einstieg für alle, die ein klassisches Studium bereits absolviert haben“, sagt Christina Daske. Vielfältig sind die Berufsbilder, in denen ausgebildet wird. Das reicht von dem Abbau unter Tage, über die Aufarbeitung des Rohstoffes, bis hin zu den Arbeiten im Labor oder als Elektronikerin, als Fachinformatikerin oder Industriekauffrau – um nur einige Beispiele zu nennen. Bei dieser Vielfalt ist es eigentlich verwunderlich, dass nicht mehr junge Menschen den Weg in den Bergbau finden.

Was war für Lena Wiesner zu Beginn ihrer Ausbildung die größte Umstellung?

Die junge Frau lacht. „Unter Tage haben wir acht Stunden keinen Handyempfang. Daran muss man sich erst mal gewöhnen.“ Social Media mit Freunden findet eben dann erst wieder über Tage statt. Aber im Gespräch merkt man der jungen Frau an, dass sie für ihren neuen Beruf brennt. Im Berufsleben eines Bergmanns oder einer Bergfrau spielt natürlich auch der Schichtdienst eine Rolle. „Ein Fakt ist, dass wir ohne Schichtarbeit nicht wettbewerbsfähig bleiben. Nichtsdestotrotz, und das machen wir seit vielen Jahren, beschäftigen wir uns immer mit arbeitswissenschaftlichen Studien, wie wir die Schichtarbeit strukturieren und verbessern können, um sie für unsere Mitarbeiter so verträglich wie möglich zu machen“, so Daske.

Also ist der Kali- und Salzbergbau eine Branche wie jede andere?

Nicht ganz, denn auf die Zukunftsaussichten angesprochen, zeigt sich Christina Daske mehr als optimistisch: „Der Bergbau in Deutschland gewinnt gerade erst wieder an Bekanntheit, weil derzeit in der Öffentlichkeit viel über Rohstoffknappheit gesprochen wird. Und wir sind sehr stolz auf die Art und Weise, wie wir unsere wichtige Arbeit machen und halten das auch für absolut zukunftsträchtig.“